Ein KZ mitten in der Stadt

Filmabend mit Diskussion, am Donnerstag, dem 05.03.2020, Beginn 19.00 Uhr,
veranstaltet von der LAGG e.V.
Gallus Zentrum, Krifteler Str. 55, 60326 Frankfurt

Es gibt in Frankfurt am Main einen Ort, der mit dem mörderischen NS-System und seinen Gräueltaten aufs engste verbunden ist, und den doch nur die wenigsten Einwohner*innen kennen: das KZ „Katzbach“. Es befand sich mitten im Stadtteil Gallus in den Adlerwerken, und war ein Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof im Elsass.
Gezeigt werden Filme, die sehr unterschiedliche Zugangsweisen zum Thema „das KZ mitten im Stadtviertel“ offerieren. Zwei Interview-Filme und drei von Schüler*innen gedrehte Kurzfilme, die Biografien von Überlebenden in eine filmische Handlung übertragen.
Der letzte Betriebsratsvorsitzende von Triumph-Adler, Lothar Reininger, berichtet im Interview, wie er von den Geschehnissen in den Jahren 1944/45 erfuhr. „Dass es in den Adlerwerken ein KZ gab, wusste ich aus den Berichten alter Frankfurter Antifaschisten.“ Im Betrieb, so Reininger, „war über das Thema der Mantel des Schweigens gebreitet, rührte man daran, musste man sich nicht nur von der Unternehmensleitung, sondern auch von Betriebsratskollegen sagen lassen, man beschmutze das Ansehen des Traditionsbetriebes und schade dem Werk“.
„Ich habe nichts mehr gefühlt“, erinnert sich Andrzej Branecki in einem Interview 2017 über seine Leiden als Häftling des KZ-Außenlagers „Katzbach“ in den Adlerwerken. 1930 in Warschau geboren, erlernte er den Beruf des Elektrikers und nahm im Sommer 1944 am Warschauer Aufstand teil. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde er in das Konzentrationslager Dachau verschleppt, von dort nach Mannheim-Sandhofen in das KZ Außenlager von Mercedes Benz. Ende Januar 1945 wurde er in die Adlerwerke „überstellt“. Am 24. März wurden Andrzej Branecki und etwa 350 weitere Häftlinge auf einen „Evakuierungsmarsch“ getrieben. Das Interview mit dem Zeitzeugen realisierte Stefanie Grohs.
Zeitzeugengespräche sind ein fester Bestandteil der schulischen und außerschulischen Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte. Die reale Begegnung mit Menschen aus der Zeit des Nationalsozialismus gibt Schüler*innen Einblicke in die alltäglichen Auswirkungen der nationalsozialistischen Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik. Die Herausforderung der Zukunft wird sein, ohne die Möglichkeit dieser Gespräche eine anschauliche und einfühlsame Erinnerungspädagogik zu gestalten. Umso wichtiger ist es, dass Zeitzeugengespräche aufgezeichnet werden. In dem Buch „Die letzten Zeugen“ von Joanna Skibinska erinnern sich sieben Überlebende des KZ „Katzbach“ in den Adlerwerken an ihre Leidenszeit.
Schüler*Innen des Goethe-Gymnasiums nahmen jeweils einen Bericht zum Ausgangspunkt ihrer Auseinandersetzung mit dem KZ in den Adlerwerken. Angeleitet wurden sie dabei von erfahrenen Medienpädagog*innen und Filmemacher*innen des Gallus Zentrums. Sie realisierten drei Filme, die jeweils dem Schicksal eines Überlebenden nachspüren. Das Projekt wurde mit dem fraMediale-Preis 2018 (https://framediale.de/images/fraMediale/Media/Videos/2018/Preistraeger/SchuelerInnen.mp4)ausgezeichnetin der Kategorie „Best-Practice- oder Zukunftsprojekte mit digitalen Medien von Schülerinnen und Schülern.“