NEXT LEVEL?!

Was junge Menschen über Künstliche Intelligenz denken.

In diesem multimedialen Projekt erforschten junge Menschen in Bild, Ton und Video das kreative Potenzial Künstlicher Intelligenz. Das Projekt wurde finanziell unterstützt von der Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen und dem Kulturamt Frankfurt. „Next Level?!“ hat die medienpädagogische Arbeit des Gallus Zentrums in vielfältiger Weise bereichert, gefördert und auf die Probe gestellt. 

Hier finden Sie eine ausführliche Bericht über das Projekt:

 

DIETER BAACKE PREIS 2024

Im November 2024 hat das Gallus Zentrum, als außerschulischer Träger den bundesweiten Dieter Baacke Preis für das KI-Projekt gewonnen. Überreicht wurde er für ein innovatives, originelles, mutiges und weitreichendes Projekt zur Förderung einer pädagogisch orientierten Medienkompetenz überreicht.

Hier die verkürzte Jurybegründung:

Kategorie B: Projekte von und mit Jugendlichen

Künstliche Intelligenz (KI) als Ausgangspunkt für ein reflektierendes, kritikförderndes und zugleich kreatives Medienprojekt. Film, Foto und Audio kommen dabei zum aktiven Einsatz. Das Gallus Zentrum geht das Thema vielschichtig an: Die Jugendlichen gestalten zunächst ein klassisches digitales Fotoprojekt und lassen ihre Ideen dann per Prompting als Zweitversion von einer KI nachstellen. Das kann zugleich sehr witzig sein und die Augen öffnen für die bislang noch sehr klischeehaften Kreationen der KI, die vielfach stereotypen Vorstellungen folgen. Zur Reflexion des umfassenden Themas KI fangen die Jugendlichen zudem in Interviews Meinungen und Erfahrungen von Passant*innen in ihrem Sozialraum ein und experimentieren mit Video-KI. Das Projekt kombiniert vielfältige Methoden und geht weit über einfaches Prompten und Experimentieren hinaus.
https://dieter-baacke-preis.de/dieter-baacke-preistraegerinnen-2024/

Einen weiteren spannenden Artikel von Gutes Aufwachsen mit Medien ist hier zu lesen: https://www.gutes-aufwachsen-mit-medien.de/magazin/news-detailansicht/next-level-kuenstliche-intelligenz-kreativ-erleben-und-reflektieren

FOTO

Teilgenommen haben 26 Schüler:innen eines Deutsch- Grundkurses des Goethe-Gymnasiums Frankfurt. Ende Januar wurden innerhalb von drei Tagen Bilder kreiert und zu einer Ausstellung zusammengestellt. Gearbeitet wurde in Kleingruppen von bis zu  neun Personen.

Textbasierte Bildgeneratoren wie z.B. Dall-E können sowohl Bilder erzeugen als auch vorhandene Fotos bearbeiten. Während der Projekttage haben die Schüler:innen ihre Ideen mit Kameras umgesetzt und dann versucht, diese mit Hilfe von KI nachzustellen oder weiter zu bearbeiten. Zu den Bildern wurden teilweise kurze Texte verfasst. Diese geben einen Einblick in die Wünsche, Meinungen und Ideen der Jugendlichen. Sie konnten frei entscheiden, wie intensiv sie mit den Bildgeneratoren arbeiten wollten. So entschieden sich einige Schüler:innen auch komplett gegen KI-generierte Bilder, wie zum Beispiel Franka mit ihrem Werk „Parallelen“.

Dies begründet sie so: „Hierbei habe ich mich zwar gegen ein KI-Bild entschieden, da dies nie meinen Vorstellungen entsprach, habe das linke Bild jedoch trotzdem digital bearbeitet, sodass es etwas abstrakter und fiktiver wirkt und somit meine Message vertritt. Zusätzlich möchte ich mit meinem Werk die Verbindung zwischen Menschen und ihrem Umfeld deutlich machen und zeigen, dass es auch hier Parallelen gibt und alles ineinander verschmilzt. Mensch und Umwelt gehören zusammen, sie sind untrennbar.“

Im Gegensatz zu Franka hat Christoph in seiner satirischen Bilderserie „Metamorphosen der Macht: Trump als Meister des Missgeschicks“ das kreative Potenzial von KI Bildern bewusst eingesetzt.

Er sagt über seine Bilder: „Mit einem ironischen Blick auf die Macht zeigt die Bilderserie, wie sich eine einflussreiche Persönlichkeit in ikonische Bösewichte verwandelt. Jedes Bild soll die übertriebene Natur der Macht erforschen und den Betrachter zum Nachdenken über die Grenze zwischen Führungsstärke und tyrannischem Verhalten anregen. Es ist ein Spiel mit Übertreibungen und eine Einladung, die Facetten von Autorität kritisch zu betrachten.“

Aufschlussreich und amüsant waren die Bilder, in denen die Jugendlichen versuchten, selbst aufgenommene Fotos mit Hilfe von Bildgeneratoren nachzustellen. In den folgenden vier Bildpaaren ist jeweils links das Originalbild und rechts das KI-generierte zu sehen.

 

Der Begriff „Prompting“ bezeichnet die Art und Weise, wie Menschen mit KI interagieren können. Die Qualität der Antwort einer KI hängt stark vom Prompting ab.

So wurde bei der Rekonstruktion der Bilder schnell klar, dass dafür möglichst genaue, dem Model der KI entsprechende Bildbeschreibungen notwendig sind. Mit jedem Bild wurde viel experimentiert, um dem Original ähnliche Ergebnisse zu erzielen. Beim letzten Bild der Serie wurde versucht, einen Basketballkorb aus der Froschperspektive nachzubilden. Der Prompt wurde jedoch von der KI auf surreale Weise umgesetzt, indem sie einen Basketball mit einem Frosch kombinierte. Genauere Ergebnisse wurden mit Prompts in englischer Sprache erzielt. Einige Schüler:innen holten sich dafür Inspirationen auf Seiten wie https://prompthero.com

In dieser Collage, untersuchte eine Mädchengruppe, wie die KI Frauen darstellt. Mit dem „Image Creator“ von Bing erzeugten sie folgende Attribute (von oben nach unten gelesen): 1. gewöhnlich, 2. erfolgreich, 3. erfolglos, 4. attraktiv, 5. hübsch, 6. gutes Mädchen, 7. normal, 8. mit Brille. Viele der Projektteilnehmerinnen interessierten sich für das Thema Schönheitsideale. Viele junge Frauen im Projekt fühlten sich von der KI sehr einseitig und klischeehaft dargestellt. Sie wollten mit ihren Arbeiten sichtbar machen, wie die KI stereotype Schönheitsideale reproduziert.

In nachfolgender Galerie sind alle entstandenen Bilder zu sehen.

Clay 1984
Clay "1984"
Clay "1984"
Clay "1984"
Uta "Peppa Pig"
Uta "Peppa Pig"
Uta "Rossmann"
Uta "Rossmann"
Raphael "?"
Raphael "?"
Raphael "neben den Masken der Fabelwesen"
Raphael "neben den Masken der Fabelwesen"
Paula "ohne Titel"
 "ohne Titel"
Paula "Baumrinde"
Paula "Baumrinde"
Luis "Mach kein Auge"
Luis "Mach kein Auge"
Luis "Zitter nicht"
Luis "Zitter nicht"
Lisa "069"
Lisa "069"
Lisa "Schnappschuss der Realität"
Lisa "Schnappschuss der Realität"
Lasse "Praise the sun"
Lasse "Praise the sun"
Darius "Froschperspektive"
Darius "Froschperspektive"
Bennett "Gegen Fortnite"
Bennett "Gegen Fortnite"
Bennett "Für Fortnite"
Bennett "Für Fortnite"
Alex "Irgendwo zwischen Alex und Alexa"
Alex "Irgendwo zwischen Alex und Alexa"
Adelina "KI vs Frauenbild"
Adelina "KI vs Frauenbild"
Adelina "KI vs Frauenbild"
Adelina "KI vs Frauenbild"
Franka "Parallelen"
Franka "Parallelen"
Ekatarina "Verhältnis"
Ekatarina "Verhältnis"
Aylin "Täuschung"
Aylin "Täuschung"
Jona "Frankfurt"
Jona "Frankfurt"
Jona "Frankfurt"
Jona "Frankfurt"
Gabriel "K(ein I(nteresse)"
Gabriel "K(ein I(nteresse)"
Gabriel "K(ein I(nteresse)"
Gabriel "K(ein I(nteresse)"
Anastasia "männliche Emotionen"
Anastasia "Schönheitsideale"
Sarah "What is real?"
Sarah "What is real?"
Eric "coulorfull"
Eric "all eyes on the future"
Christoph "Metamorphosen der Macht: Trump als Meister des Missgeschicks"
Christoph "Metamorphosen der Macht: Trump als Meister des Missgeschicks"
Christoph "Metamorphosen der Macht: Trump als Meister des Missgeschicks"
Christoph "Metamorphosen der Macht: Trump als Meister des Missgeschicks"
Clay 1984

 

AUDIO

Im März 2024 nahmen 26 Schüler:innen einer 11. Klasse an einem zweitägigen Workshop teil. Die Teilnehmer:innen, im Alter von 17 bis 19 Jahren, verfolgten einen Abschluss im kaufmännischen Bereich. Der Audioworkshop fand unter Anleitung von Medienpädagog:innen im Gallus Zentrum statt. 

Die Schüler:innen entwickelten Fragen für Straßeninterviews und führten diese mit verschiedenen Altersgruppen durch. Mit iPads und Mikrofonen wurden Aussagen zu KI gesammelt und später in Gruppen ausgewertet. Einige Teilnehmer:innen experimentierten mit kreativen Audio-Tools wie https://elevenlabs.io und https://suno.com, um ihre eigenen Inhalte zu erstellen. Der zweite Tag begann mit der Sortierung und Priorisierung der Interviews, die sich mit der Nutzung und den ethischen Fragen rund um KI beschäftigten.

Die Befragungen brachten unterschiedliche Perspektiven ans Licht, von Befürchtungen über den Einfluss von KI auf das Lernen bis hin zu Forderungen nach politischen Regelungen. Eine Gruppe richtete spontan ein kleines Tonstudio ein und nutzte KI-Stimmgeneratoren, um kreative Audioinhalte zu produzieren. Insgesamt setzten sich die Jugendlichen intensiv mit den Chancen und Herausforderungen von KI auseinander.

Die Ergebnisse können auf dem Soundcloud-Kanal des Gallus Zentrums gehört und geteilt werden.

 

VIDEO

Im Dezember 2024 nahm eine Gruppe von 26 Jugendlichen am Videoprojekt in Kooperation mit JOBLINGE gAG im Gallus Zentrum teil. Die Organisation unterstützt junge Menschen bei ihrem Berufsweg, und das Thema Künstliche Intelligenz (KI) stieß bei den Teilnehmenden auf großes Interesse. In drei Kleingruppen entwickelten die Jugendlichen verschiedene Ansätze zum Thema KI: eine Gruppe produzierte einen Film mit KI-generierten Videos, eine andere führte Interviews zu KI in der Innenstadt, und die dritte drehte einen Science-Fiction-Kurzfilm.

Für den Film „The Code of Domination“ wurden Videos mit dem Videogenerator https://runwayml.com erstellt. Der Prozess war kostenintensiv und aufwendig, und die Ergebnisse entsprachen nicht immer den Erwartungen der Teilnehmenden. Schwierigkeiten wie verzerrte Darstellungen und das Fehlen konstanter Gesichter wurden durch den Einsatz von ChatGPT optimiert. Das fertige Projekt wurde mit DaVinci Resolve geschnitten und auf YouTube veröffentlicht.

Bei der Präsentation diskutierten die Teilnehmenden mit dem Publikum über die Funktionsweise von KI und Themen wie Stereotypen und Nachhaltigkeit. Trotz der kritischen Filmthemen zeigten sich die Jugendlichen auf der Bühne optimistisch gegenüber KI.