Der medientechnologische Fortschritt verläuft rasant und ist von zentraler Bedeutung für die Gesellschaft. Social Media Plattformen und mobile Endgeräte sind längst fester Bestandteil unseres Alltags und ermöglichen es der breiten Masse selbständig Inhalte zu produzieren und zu veröffentlichen. Medien sind Teil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen und spielen in ihrer Identitätsbildung eine zentrale Rolle. Im Widerspruch dazu findet eine Mediengrundbildung in Kitas und Schulen nicht ausreichend statt. Lehr- und Bildungspläne sowie die technische Ausstattung von Schulen hinken dem digitalen Wandel hinterher. Mit unserer Projektarbeit und unseren Bildungsangeboten wollen wir diese Lücke schließen.

 

Kulturelle Medienbildung

Die aktive Medienarbeit des Gallus Zentrums orientiert sich an den Grundsätzen der Kulturellen Bildung. An erster Stelle steht hierbei die Freude am Lernen. Deswegen wird an den Interessen, Lebenswelten und dem Alltag der Teilnehmer:innen angesetzt. So werden Eigeninitiative, Motivation und Kreativität gefördert. Selbstgesteuertes Lernen bietet die Möglichkeit sich sowohl theoretisch als auch praktisch mit der eigenen Umwelt auseinanderzusetzen und daraus eigene Positionen zu entwickeln. Durch Präsentationen der Ergebnisse wollen wir die Projektteilnehmer:innen motivieren sich mit ihren Produkten in gesellschaftliche Prozesse einzumischen und Ihnen ermöglichen Selbstwirksamkeit zu erfahren. Wir verstehen die Kulturelle Medienbildung als ganzheitlichen Bildungsansatz der besonders geeignet ist, Schlüsselkompetenzen wie: Teamfähigkeit, Medienkompetenz, kritisches Denken, kulturelles Verständnis, Organisations- und Problemlösungsfähigkeit zu fördern. Mit unserem erfahrenen Team von vier festen und zehn freien Mitarbeiter:innen begleiten wir Jugendgruppen bei Planung, Umsetzung und Produktion ihrer Medienprodukte. In der Dokumentation „Man lernt mehr, wenn man Spaß hat!“ werden die Teilnehmer einer Projektwoche im Gallus Zentrum mit der Kamera begleitet.

 

 

Unser Angebot

Es gibt die unterschiedlichsten Projektformen im Gallus Zentrum, dabei wird in Kleingruppen mit bis zu 8 Personen gearbeitet. Wir bieten Projektwochen in den Bereichen Film, Animation, Fotografie/Bildbearbeitung, Rap und Hörspiel an. Aber auch kürzere Formate sind tageweise buchbar (Fotografie, Social Media oder Audio). Zudem gehören Fortbildungen und Informationsveranstaltungen zu aktuellen, medienpädagogisch relevanten Themen, sowie Beratung und Begleitung bei der Entwicklung von Medienkonzepten, zu unserem Angebot. Wir greifen zurück auf einen langjährigen Erfahrungsschatz mit den unterschiedlichsten Einrichtungen, wie zum Beispiel Kitas, Kinderhäuser, Jugendzentren und Schulen. Unser Team besteht aus Filmemacher:innen, Sozialarbeiter:innen, Medien- und Kunstpädagog:innen. Sie vermitteln Medienkompetenz mit Freude, Kreativität, Inspiration und Wertschätzung.

 

Der Verein

1977 wurde der Verein Gallus Zentrum e.V. in den Räumen einer ehemaligen Autoglaserei gegründet. In dem durch Arbeiterkultur und Einwanderung geprägten Frankfurter Stadtteil Gallus schufen Studierende einen Ort der Verständigung und des kulturellen Austauschs mit und für die damals sogenannten Gastarbeiter:innen. In den 80er Jahren entwickelte sich der Schwerpunkt des Vereins hin zu sozialpädagogischen Freizeitangeboten u.a. für arbeitslose Jugendliche und insbesondere zur Theaterarbeit. Seit dieser Zeit begleitet das Gallus Zentrum den Stadtteil mit seiner Arbeit. Solidarisch, kritisch und kreativ. 1992 wurde die Medienabteilung des Vereins gegründet. Von da an steht die Arbeit mit den „Neuen Medien“, besonders mit dem Medium Video im Vordergrund. Das Gallus Zentrum ist heute ein bundesweit anerkanntes Medienzentrum mit vielen Auszeichnungen. Es ist ein freier Träger der Jugendhilfe in der Rechtsform eines gemeinnützigen Vereins.

 

Der Stadtteil

In der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts entstand auf freiem Feld eines der großen Industrieviertel Frankfurts. Großbetriebe wie die Adlerwerke, T&N und Siemens prägten das Bild genauso wie die großen Arbeitersiedlungen. Viele Arbeitsmigrant:innen ließen sich seit den 60er Jahren hier nieder. Das Gallus ist bis heute ein diverses, buntes Stadtviertel in dem viele Menschen aus sozial benachteiligten Familien und aus über 140 verschiedenen Herkunftsländern leben. Die Kinder und Jugendlichen des Stadtteils identifizieren sich mit „ihrem Gallus“ über das es viele Geschichten zu erzählen gibt. Lange war es ein Ort romantisierter Straßengangsterlegenden, nicht zuletzt bekräftigt durch die berühmte Hookline „Gestern Gallus – heute in den Charts“ des Rappers Haftbefehl (2010). Derzeit erlebt das Gallusviertel einen einschneidenden Strukturwandel. Die fortschreitende Gentrifizierung verändert das Straßenbild mit neuen Geschäften, Büro- und Wohnanlagen – die Mieten steigen. Diese Entwicklung wurde unter anderem in dem Projekt „Wem gehört das Gallus?“ (2014) von Jugendlichen reflektiert:

https://galluszentrum.de/testimonial/gallus/